Schöffe

Das mittelalterliche Gericht bestand aus dem Richter, der das Verfahren leitete und das Urteil verkündete, und den Gerichtsbeisitzern, die das Urteil fanden.

Diese mussten aus der Gerichtsgemeinde stammen, über Lebenserfahrung und Grundbesitz verfügen und Ansehen genießen. Schon seit karolingischer Zeit wurde diese Funktion als Amt verstanden, dessen Inhaber dem Gerichtsherrn durch Eid in besonderer Weise verbunden waren.
Diese Gerichtsbeisitzer wurden als Schöffen bezeichnet. In manchen Teilen des Reiches (etwa in Ostfalen oder Sachsen) war die Schöffenverfassung besonders ausgeprägt und weit verbreitet. Der Sachsenspiegel (Rechtsbücher) kannte einen eigenen Stand der Schöffenbarfreien. Das waren Leute, die zum Schöffenamt qualifiziert waren, freien Grundbesitz hatten, unter bestimmten Voraussetzungen aber auch Ministerialen (Unfreie) sein konnten.

In Süddeutschland, besonders im schwäbischen Bereich, seit dem 13. Jh. auch in Bayern, war der Amtscharakter der Schöffenfunktion weniger ausgeprägt. Hier wurde die Urteilerbank des Gerichts jeweils mit erfahrenen und angesehenen Landleuten besetzt, wobei die Aufgabenteilung zwischen Richter und Beisitzern in gleicher Weise bestand.

Schöffen und Gerichtsbeisitzer waren juristische „Laien". Seit dem 15. Jh. wurden sie in den königlichen und höheren landesfürstlichen Gerichten mehr und mehr durch die gelehrten, an Universitäten ausgebildeten Juristen verdrängt. Dies gab der Rezeption der fremden Rechte im deutschen Reich starke Impulse.