Die Münzen

Die mit einem Gepräge versehenen Metallstücke bestimmten Gewichtes (Schrot) und Edelmetallgehaltes von Silber oder Gold (Korn) waren als Münzen nach antikem Vorbild dem merowingisch-karolin-gischem Frühmittelalter bekannt, wenn auch die gesamtwirtschaftliche Bedeutung des Geldes bis zum 10. Jh. im Rahmen der vorherrschenden Naturalwirtschaft verhältnismäßig gering blieb. Die wichtigste Prägung war der Pfennig (denarius) als Silbermünze. Die Herstellung der Münzen war vornehmlich dem Königtum vorbehalten; durch Privilegierung erhielten seit dem 10. Jh. auch Bischöfe das Recht zur Münzherstellung. Dieses Recht nahmen auch weltliche Große (Herzöge — Grafen) in Anspruch, um den mit der wirtschaftlichen Entwicklung seit dem 12. Jh. wachsenden Bedarf an Münzgeld zu decken. Dies bildete die Grundlage für das seit dieser Zeit nachgewiesene Münzregal, welches nun von den weltlichen und geistlichen Territorialherrschaften ausgeübt wurde. Daneben gab es nur mehr wenige königliche Münzstätten (im 14. Jh. Frankfurt, Schwäbisch Hall und Nürnberg). Diese Territorialisierung der Münzprägung, die auch vielfach in Händen von Städten (z.B. Lübeck, Bremen, Hamburg) war, führte zu höchst vielfältigen Geprägen unterschiedlichen Wertes und regional beschränkter Verwendungsmöglichkeit. Nur wenige Münzen, wie etwa der aus der königlichen Münzstätte Schwäbisch Hall stammende Heller, erlangten überregionale Bedeutung. Die königliche Münzhoheit bestand zwar im ganzen Mittelalter; sie schützte das bestehende System, konnte aber eine gesetzliche Regelung des Geld- und Münzwesens von Reichs wegen nicht bewirken.

Wegen der Unübersichtlichkeit der Silberwährung gewann seit dem 13. Jh. die von Italien ausgehende Goldwährung der Münzen von Florenz (Gulden) und Venedig (Dukaten) große Bedeutung im Handelsverkehr. Das Recht zur Herstellung von Goldmünzen galt als Privileg, welches von König Ludwig dem Bayern im 14. Jh. verschiedene Münzherren erteilt und von Karl IV. in der Goldenen Bulle den Kurfürsten überlassen wurde.

Die fortschreitende Entwertung des Pfennigs als der wichtigsten Umlaufmünze und der weiter wachsende Bedarf an Münzgeld bewirkten, dass seit dem 13.Jh. höherwertige Prägungen hergestellt wurden (Groschen, Kreuzer).

Der territorialen Zersplitterung des Münzwesens suchten die Münzvereine entgegenzuwirken. Von den seit der Mitte des 13. Jhs. entstandenen Vereinigungen jeweils mehrerer Territorialherren zur Stabilisierung des Münzwesens hat besonders der rheinische Münzverein, den der Pfalzgraf bei Rhein und die Erzbischöfe von Mainz, Köln und Trier 1386 zum ersten Mal schlössen, außerordentliche Bedeutung für die Entwicklung des rheinischen Guldens erlangt.

Die Münzstätten (auch Münzen genannt) standen unter der Leitung der Münzmeister, die bei den bischöflichen Münzherren zunächst aus dem Stand der bischöflichen Ministerialen kamen. Seit dem 12. Jh. war der Betrieb von Münzen häufig Genossenschaften (Münzerhausgenossenschaften) übertragen, zu denen sich Mitglieder führender Geschlechter in den größeren Städten zusammenfanden. Der Bedeutung des mittelalterlichen Regensburger Pfennigs entsprechend, war die Regensburger Münzerhausgenossenschaft besonders weit bekannt. Die Unternehmer der Münzstätten waren häufig auch im Wechselgeschäft und im Edelmetallhandel tätig. Hauptlieferanten für die Silberprägung waren die Bergwerke im Harz und (später) in Tirol.