Der Mittelaltermarkt

Auf Märkten trafen sich zu festgesetzten Zeiten an bestimmten Orten Kaufleute, Warenproduzenten und Verbraucher, um Handelsgeschäfte abzuschließen. Wegen der Ansammlung von Menschen und der Anhäufung von Waren (auch Wertgegenständen) bedurften solche Zusammenkünfte stets eines besonderen Rechtsschutzes und einer besonderen Friedensgarantie; beides sicherte der in den Gebieten östlich des Rheins vom Königtum in Anspruch genommene und auch ausgeübte Marktfrieden.

Durch Privilegien überließen die ottonischen und salischen Könige seit der Mitte des 10. Jhs. zahlreichen geistlichen und weltlichen Großen das Recht, Märkte abzuhalten, d.h. die Friedens- und Rechtsgarantie für den ordnungsgemäßen und sicheren Ablauf der Handelsveranstaltung zu übernehmen. Häufig war mit dem Marktrechtsprivileg auch das Münzrecht verbunden.

Die in größeren Zeitabständen stattfindenden Jahrmärkte dienten der Versorgung einer verhältnismäßig kleinen Gruppe von kirchlich und weltlich Höherstehenden mit Waren des gehobenen Bedarfs („Luxusgüter" wie kostbare Stoffe, Edelmetallgegenstände und Schmuckstücke, ausgefallene Gewürze); wichtiger für die wirtschaftliche, rechtliche und soziale Entwicklung wurden die seit dem 11. Jh. vielfach belegten Wochenmärkte, wo nun auch Waren für den täglichen Bedarf angeboten wurden; an dem hier stattfindenden Warenumschlag waren breite Bevölkerungskreise als Hersteller, Anbieter, Käufer und Verbraucher beteiligt, wie dies der Entwicklung des Städtewesens seit dem 12. Jh. entsprach. Daneben gab es aber auch weiterhin die seit alters bekannten, überörtlichen Marktveranstaltungen der Messen, wo hauptsächlich der unter Wiederverkäufern übliche Großhandel abgewickelt wurde.

Die Rechtsverhältnisse der Marktbesucher (Anbieter wie Käufer) standen in enger Beziehung zum Recht der Kaufleute. Aus diesem Bereich erhielt das Stadtrecht in der Entwicklungsphase des 12. und 13.Jhs. wichtige Impulse. Für die westdeutsch-rheinischen Städte wurden die Marktrechte von Mainz und Köln, für viele Städte in Mittel- und Ostdeutschland die von Magdeburg vorbildhaft.

Der Marktherr konnte Abgaben (Marktzölle) von den Besuchern erheben, Anordnungen über Anbietepflicht oder über die Einhaltung bestimmter Straßen und Wege (Wegezwang) treffen und damit das Marktgeschehen beeinflussen.

Viele Orte, an denen früh Marktveranstaltungen stattfanden, entwickelten sich zu Städten, viele wuchsen aber auch nicht über den Charakter einer „villa fori" (Marktort) hinaus. Meist blieb in diesen Fällen die wirtschaftliche Funktion auf den kommerziellen Umsatz im Nahbereich beschränkt.